Zeitleisten bauen mit Timeline JS3 vom Knightlab

Das Tool Timeline JS3 vom Knightlab ist aus meiner Sicht eines der einfachsten Tools, um eine interaktive Zeitleiste bauen. Und es ist gleichzeitig auch eines der vielseitigsten. Und das aus zwei Gründen:

  • Die Zeitleiste lässt sich jederzeit und schnell verändern.
  • Die Zeitleiste kann als iFrame oder Link platziert werden.

Ich habe mit dem Tool eine relativ simple Timeline zu den Terrorermittlungen in Deutschland seit den Anschlägen von Paris (Bataclan) erstellt. Die Zeitleiste umfasst ein Startbild, Daten und Hintergründe zu Ermittlungen, Razzien und Festnahmen.

Theoretisch könnten weit mehr Medien eingebunden werden. Sogar Beiträge mit Videos sind möglich.

Wie aus der Tabelle eine Zeitleiste nach JS3-Vorbild wird

Die Timeline bezieht ihre Daten (Datum, Inhaltstext, Länge der Zeitleiste) aus einer simplen Tabelle. In diesem Fall handelt es sich um ein Google-Spreadsheet. Die Angaben (Year/Month/Day, Headline, Text) sind eigentlich selbsterklärend. Das Knightlab bietet eine Vorlage an, die sich beliebig erweitern lässt.

Die fertige Tabelle wird durch den Generator des Journalistik-Instituts gejagt und am Ende steht ein Einbettungs-Link im iFrame-Format. Zusätzlich wird ein alternative Link zur Einbindung in Medium.com-Beiträge angeboten.

Anschlag in Paris: Das wurde aus den Ermittlungen in Deutschland

Seit den Terroranschlägen von Paris hat es auch in Deutschland Anti-Terror-Einsätze der Polizei gegeben. Nicht alle waren erfolgreich.

Die Terroranschläge von Paris vom 13. November 2015 haben auch in Deutschland dazu geführt, dass die Sicherheitsbehörden verstärkt nach mutmaßlich islamistischen Terroristen fahnden. Nicht zuletzt weil ein Mitglieder der Terrorgruppe, die 130 tötete und 352 Personen verletzte, über Deutschland nach Frankreich eingereist sein soll, mussten die deutschen Behörden handeln.

Dass Polizei und Staatsanwaltschaft bei der Suche nach Terroristen nicht zimperlich umgehen würden, deutete ein Zitat von Bundesjustizminister Heiko Maas wenige Tage nach den Anschlägen von Paris an: „Wer mit Gewalt und Terror Angst und Schrecken verbreitet, den trifft die ganze Härte des Rechtsstaats.“ Diese Härte schlägt sich auch in Zahlen nieder. Aus dem Bundesinnenministerium heißt es, dass es momentan 650 laufende Ermittlungsverfahren mit über 950 Tatverdächtigen im Bereich islamistischer Terrorismus gibt. Besonders viel Aufsehen haben aber acht Razzien und groß angelegte Polizeieinsätze erregt. Gut dreieinhalb Monate später zeigt sich jedoch: nicht alle Einsätze brachten den erhofften Erfolg. In mindestens drei Fällen wurden Ermittlungsverfahren eingestellt, in einem weiteren Fall wird sich der Terrorverdacht wohl nicht erhärten.

Die Gründe dafür, dass am Ende der genannten Fälle keine inhaftierten Terroristen stehen, sind vielfältig. Mal ist der Hauptverdächtige gestorben, mal hat er keine terroristische Straftat begangen. In einem weiteren Fall stellten sich mehrere mutmaßliche Täter sogar als Fantasiefiguren dar, die es nie gegeben hatte. Zwar offenbart der Blick auf die einzelnen Fälle keine offensichtlichen Pannen der Behörden, dennoch wirken die folgenden sieben Verfahren für sich genommen mitunter ungewöhnlich:

14. November 2015: Algerier soll von Terrorplänen von Paris gewusst haben

Bereits einen Tag nach den Terroranschlägen von Paris gibt es Berichte darüber, dass ein 39-jähriger Mann aus Algerien von den Anschlagsplänen gewusst haben soll. Die Polizei durchsuchte daraufhin das Zimmer des Mannes in einer Flüchtlingsunterkunft im nordrhein-westfälischen Attendorn. Eines der Fundstücke aus dem Zimmer lässt die Beamten aufhorchen: ein Zettel mit der Aufschrift „Ali Baba 4, 13.11. Paris“. Der 39-Jährige soll zudem zwei syrischen Flüchtlingen von Anschlägen erzählt haben, bei denen auch eine Bombe zu erwarten sei. Der Algerier wird wegen des Verdachtes auf das Nichtanzeigen einer Straftat festgenommen, wird nach zwölf Tagen in Untersuchungshaft allerdings wieder freigelassen. Die Bundesanwaltschaft hatte in dem Fall die Ermittlungen aufgenommen, die Behörde übernimmt immer dann die Ermittlungen, wenn es einen Verdacht auf eine terroristische Straftat gibt. Nach dem der Mann aus der U-Haft freikam, wurde ein Abschiebeverfahren gegen den Algerier eingeleitet. Gegen eine angeordnete Abschiebehaft in Büren (Kreis Paderborn) legte der Mann Beschwerde ein und kam wieder auf freien Fuß. Immer wieder bestreitet er die ihm vorgeworfene Mitwisserschaft an den Anschlägen von Paris. Ermittlungsstand: Ende Februar ergibt eine Recherche unserer Redaktion in Ermittlerkreisen: die Ermittlungen sind zwar noch nicht ganz eingestellt, für die Bundesanwaltschaft ist dies allerdings kein Fall mehr. (Stand 23. Februar 2016)

17. November 2015: Fußball-Länderspiel in Hannover wird abgesagt

Die deutschen Behörden haben am 17. November 2015 Hinweise ausländischer Geheimdienste auf ein geplantes Attentat in Hannover erhalten. Der Inhalt der Warnung: Eine angeblich fünfköpfige Gruppe will einen Sprengstoffanschlag auf das Stadion verüben, in dem das Freundschaftsspiel der Fußball-Nationalmannschaft gegen die Niederlande stattfinden soll. Als vom französischen Geheimdienst der entscheidende Hinweis kommt, sind die Tore des Stadions bereits geöffnet, die ersten Fans begeben sich zu ihren Plätzen. Die Behörden entscheiden, dass Stadion zu evakuieren und das Spiel abzusagen. Auch ein Konzert des Entertainers Helge Schneider am, selben Abend in Hannover wird abgesagt.

Bei einem groß angelegten Polizeieinsatz am Abend kann kein Täter dingfest gemacht werden. Der Bundesinnenminister Thomas de Maiziére sagt zu den Hintergründen auf einer Pressekonferenz am Abend auf eine Frage nach den Details den berühmten Satz: „Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern.“ Er könne die Quelle der Hinweise und Hintergründe der geplanten Tat nicht nennen, weil diese Informationen Rückschlüsse auf das Handeln der Sicherheitsbehörden geben könnte – und das wiederum würde Terroristen in die Karten spielen.

Nach dem abgesagten Länderspiel richten sich die Ermittlungen gegen den 19-jährigen Schüler Faiz A. aus Hannover-Misburg. Der junge Mann war am 17. November 2015 mit Ordnermontur im Stadion, obwohl er an diesem Tag gar nicht zum Dienst eingeteilt worden w ar. In sozialen Netzwerken taucht kurze Zeit nach dem Spiel ein Video auf, das Ermittler auch auf dem Handy von Faiz A. finden. In dem Video sind die Wortfetzen „Free Rakka“ zu hören. Rakka gilt als Hochburg des sogenannten Islamischen Staates. Ermittler halten Faiz A. nicht für den Drahtzieher möglicher Terroranschläge, weshalb er auch nicht festgenommen wurde. Ermittlungsstand: Die Generalbundesanwaltschaft hat sich dem Fall angenommen. Unter anderem werden Daten analysiert, die bei einer Durchsuchung sichergestellt wurden. (Stand 23. Februar 2016)

26. November 2015: Terror-Festnahmen in Berlin – Männer sollen Waffen geschmuggelt haben

Ein 28-jähriger Syrer und 46-jähriger Tunesier wurden am 26. November in Berlin (Britz) festgenommen worden. Es gab den Verdacht, dass die beiden mutmaßlichen Terrorhelfer Waffen von München aus über Berlin-Charlottenburg nach Dortmund tansportieren wollten. In einer Flüchtlingsunterkunft wurde ein 25-jähriger Tunesier festgenommen. Die Räume eines Moschee-Vereins wurden durchsucht. Da jedoch keine gefährlichen Gegenstände gefunden wurden oder sich ein dringender Tatverdacht erhärtete, wurden die Männer wieder freigelassen. Ermittlungsstand: Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft ermittelt weiter. Vor allem sichergestellte Datenträger werden noch ausgewertet. (Stand 16. Februar 2016)

3. Dezember 2015: Razzia in zwei Wohnungen in Nordrhein-Westfalen

Anfang Dezember wurden zwei Wohnungen in Düsseldorf und eine in Schwelm (NRW) durchsucht. Drei Männern und einer Frau wurde Urkundenfälschung vorgeworfen. Die Personen sollen versucht haben, französische Pässe zu besorgen. Festgenommen wurde bei der Razzia jedoch niemand. Einen terroristischen Hintergrund soll es nach Angaben aus Ermittlerkreisen nicht gegeben haben. Die Initiative zu der Razzia ging von der Staatsanwaltschaft Berlin aus. Ermittlungsstand: Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt weiter. Hinweise auf weitere Straftaten oder weitere Tatverdächtige haben sich in der Zwischenzeit jedoch nicht nicht ergeben, wie von der Staatsanwaltschaft zu hören ist. (Stand 16. Februar 2016)

31. Dezember 2015: Polizei evakuiert Hauptbahnhof München nach Terrorwarnung

Am Silvesterabend 2015 hat die bayerische Polizei die den Hauptbahnhof München und den Bahnhof Pasing räumen lassen. Vorausgegangen war eine Warnung ausländischer Geheimdienste mit einem brisanten Inhalt: eine siebenköpfige Terrorzelle plant einen Anschlag auf die Verkehrsknotenpunkte noch während der Feierlichtkeiten zum Jahreswechsel. Wie eine Recherche Ende Februar ergab, hat es diese Tätergruppe niemals gegeben. Offensichtlich hatte sich die Quelle der Geheimdienste – ein Mann aus dem Irak – die Namensliste ausgedacht. „Zu den mitgeteilten Namen konnten (auch unter Berücksichtigung unterschiedlicher Schreibweisen) keine Übereinstimmungen zu in Deutschland wohnhaften oder registrierten Personen ermittelt werden“, erklärte Judith Henkel, stellvertretende Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft München I auf Anfrage unserer Redaktion. Ermittlungsstand: Ende Januar wurde das Verfahren eingestellt. (Stand 17. Februar 2016)

10. Januar 2016: Islamist mit Wohnsitz in Deutschland wird bei Angriff auf Polizeistation in Paris erschossen

Nachdem am 7. Januar ein Islamist in Paris vor einer Polizeiwache erschossen wurde, führte die Spur schnell nach Deutschland. Der getötete Mann mit mehreren Identitäten (Walid Salihi,Mohammed Salah, Nika Khechuashvili) hatte in Recklinghausen in einer Asylbewerberunterkunft gewohnt. Die Polizei durchsuchte die Flüchtlingsunterkunft und findet eine Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat an der Wand einer Waschküche – es soll das Werk von Salihi sein. Wegen der Fa1hne wurde gegen den Mann bereits ermittelt. Zudem war Salihi im Zeitraum vom 23. Mai 2014 bis 30. November 2015 wegen Verstößen gegen das Waffengesetz und das Betäubungsmittelgesetz, Diebstahlsdelikten und Beleidigung auf sexueller Grundlage kriminalpolizeilich in Erscheinung getreten. Damals wohnte Salihi in Bochum.

Wie die Staatsanwaltschaft Dortmund unserer Redaktion mitteilte, wurde gegen Wahid Salihi aus dem simplen Grund nie ein Verfahren wegen des Terrorverdachts eingeleitet, weil er tot ist. Die Durchsuchungen seines Zimmers in Recklinghausen hatte das LKA im Rahmen des Polizeirechts als Maßnahme zur Gefahrenabwehr durchgeführt. Es sollte sichergestellt werden, dass von Salihi oder möglichen Komplizen nicht noch eine weitere Gefahr ausgeht. Ermittlungsstand: Es wird gegen Kontaktpersonen des Mannes ermittelt. Sie wurden unter anderem zu ihren Kontakten zu dem Mann mit den zahllosen Identitäten befragt. Ein Verdacht auf ein terroristisches Netzwerk, dem der Angreifer angehört hatte, hat sich jedoch nicht erhärtet. Bei den Personen soll es sich lediglich um ehemalige Mitbewohner von Salihi handeln. (Stand 17. Februar 2016)

4. Februar 2016: Razzien wegen Terrorverdacht in Berlin, Hannover und Attendorn (NRW)

Bei Razzien in einer Flüchtlingsunterkunft im nordrhein-westfälischen Attendorn wurden am 4. Februar ein 35-jähriger Mann und seine 27-jährige Frau aus algerien festgenommen. Der 35-Jährige hatte Kontakte zu ranghohen IS-Mitgliedern, Fotos zeigen ihn mit Waffen in Syrien. In Berlin wurde ein 49-jähriger Algerier festgenommen, der ein Vertrauter des IS-Unterstützers aus Attendorn gewesen sein soll. In Hannover nahm die Polizei einen 26-jährigen Mann fest, der Kontakte zur Islamistenszene in Belgien gepflegt haben soll. Auch er stammt aus Algerien. Die Staatsanwaltschaft Berlin bestätigte unserer Redaktion diese Vorgänge. Ermittlungsstand: Die Verdächtigen sitzen noch alle in Untersuchungshaft. (Stand 16. Februar 2016)

7. Februar 2016: Durchsuchungen in St. Johann nahe Mainz (Rheinland-Pfalz)

Bei Durchsuchungen in Rheinland-Pfalz wurden die Wohnungen von zwei mutmaßlichen Terrorhelfern untersucht. Ihnen wird vorgeworfen, Mitglieder einer terroristischen Vereinigung zu sein. Federführend bei der Ermittlung ist die Bundesanwaltschaft, die keine Angaben zur Herkunft der Männer und der Terrororganisation, die sie angehören sollen schweigt. Neben den beiden mutmaßlichen Terrorhelfern, wurden auch zwei weitere Personen in dem Fall befragt. Zwar reichten die Informationen der Behörden zum Zeitpunkt der Durchsuchung nicht aus, um die beiden Verdächtigen in Untersuchungshaft zu nehmen, das heißt jedoch nicht, dass die Ermittlungen abgeschlossen sind. Ermittlungsstand: Aus Ermittlerkreisen erfuhr unsere Redaktion, dass die Bundesanwaltschaft noch an dem Fall noch arbeitet. (Stand 23. Februar 2016)

Dieser Artikel erschien am 04. März 2016 auf abendblatt.de

Terroristen vom Münchener Hauptbahnhof existierten nur auf Papier

Nach einer Terrorwarnung war an Silvester der Hauptbahnhof in München evakuiert worden. Nun legen die Ermittler den Fall zu den Akten.

Die Staatsanwaltschaft München stellt ihre Ermittlungen wegen der Hinweise auf Terroranschläge auf zwei Münchener Bahnhöfe ein. Die bisher gesammelten Informationen reichen nach Angaben der Justizbehörde nicht aus, um eine Anklage vorzubereiten. Wie nun bekannt wurde, konnten die Ermittler zu dem Hinweis mit Namen mutmaßlicher Terroristen keine realen Personen finden.

„Zu den mitgeteilten Namen konnten (auch unter Berücksichtigung unterschiedlicher Schreibweisen) keine Übereinstimmungen zu in Deutschland wohnhaften oder registrierten Personen ermittelt werden“, erklärte Judith Henkel, stellvertretende Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft München I auf Anfrage unserer Redaktion. Weil keine Verdächtigen identifiziert werden konnten, stellte die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren Ende Januar ein. Bereits Anfang Januar hatte es Berichte darüber gegeben, dass die Liste mit den sieben mutmaßlichen Attentätern fehlerhaft sein könnte.

Geheimdienste beriefen sich auf Quelle aus dem Irak

Wenige Stunden vor dem vergangenen Jahreswechsel hatte eine Terrorwarnung die Feierstimmung in München merkbar gedämpft. Die Polizei reagierte damals auf Hinweise mehrerer ausländischer Geheimdienste und evakuierte sowohl den Hauptbahnhof als auch den Bahnhof im Stadtteil Pasing. Kurz zuvor hatte es Hinweise ausländischer Sicherheitsdienste auf eine siebenköpfige Terrorzelle gegeben. Doch wie die Staatsanwaltschaft nun bestätigt, hat diese Terrorgruppe niemals existiert.

Die Liste stammte übereinstimmenden Berichten zufolge von einem Mann aus dem Irak. Dessen Bruder aus Baden-Württemberg hatte die deutschen Behörden bereits am 23. Dezember auf einen möglichen Terroranschlag hingewiesen. Terrorexperten telefonierten daraufhin mit der Quelle im Irak. Der Mann berichtete von Anschlagsplänen auf Verkehrsknotenpunkte in Bayern. Doch damals war noch nicht vom Silvesterabend als Termin eines Anschlags die Rede.

Der Münchener Polizei blieb kaum Zeit

Kurz vor den Silvesterfeierlichkeiten schickte ein französischer Sicherheitsdienst dann eine Mitteilung an die deutschen Behörden, die sowohl die Zeit als auch den Ort eines möglichen Anschlags konkretisierte. Wie sich später herausstellte, stammten die Informationen des befreundeten Geheimdienstes auch von dem Informanten aus dem Irak.

Um 19.40 Uhr leiteten Bundesbehörden die Nachricht an die Münchener Polizei weiter. In der Mitteilung hieß es, dass eine Gruppe von sieben mutmaßlichen IS-Terroristen aus dem Irak und Syrien Selbstmordattentate am Hauptbahnhof und am Bahnhof Pasing in München verüben könnten. Nach dieser Mitteilung reichte die Zeit offensichtlich nicht aus, um eine detaillierte Gefahrenabwägung durchzuführen. Die Münchner Polizei entschied sich dazu, die beiden Verkehrsknotenpunkte zu räumen. Etwa 550 Beamte waren an dem Anti-Terror-Einsatz beteiligt.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä hatten den Polizeieinsatz im Nachgang verteidigt. „Es war nicht zu verantworten, auf eine Entwarnung zu warten“, erklärte Andrä auf einer Pressekonferenz an Neujahr. Der Polizeipräsident hatte im gleichen Atemzug auch infrage gestellt, wie viele der sieben mutmaßlichen Terroristen überhaupt reale Personen sein könnten. Dennoch hatte sich Andrä geweigert, den Einsatz als Fehlalarm zu bezeichnen.

Dieser Text ist am 17. Februar 2016 auf abendblatt.de erschienen.

So verdienen YouTube-Stars Tausende Euro mit Werbung

So verdienen YouTube-Stars Tausende Euro mit Werbung

Fernsehwerbung soll künftig weniger gekennzeichnet werden. Auf Youtube fordern Kritiker hingegen eine stärkere Regulierung.

Bibi hat sich diese 250-Euro-Uhr „einfach mal gegönnt“, weil sie ja so „wunderwunderschön“ sei. In einem Video führt die erfolgreiche Youtuberin ihren hauptsächlich jugendlichen Zuschauern die Uhr vor, mit dem Hinweis auf einen Link zum Onlineshop von Amazon. „Da hat man auch echt lange was davon“, sagt Bibi im weiteren Verlauf des Videos. Und damit könnte sie auch ihren Verdienst meinen, denn an jeder über ihren Link verkauften Uhr, verdient sie mit. Während eine Bund- Länderkommission eine Lockerung bei der Fernsehwerbung fordert, setzen sich Beobachter der Youtube-Szene für strengere Werbe-Regeln im Netz ein. Dabei bestehen schon jetzt eindeutige Gesetze für die Werbemaschinerie.

Jan Böhmermann rechnet Gewinne vor

Eine beeindruckende Gebrauchsanleitung der Werbemaschinerie auf Youtube hat der ZDF-Moderator Jan Böhmermann im Februar dieses Jahres in seiner Sendung „Neomagazin Royale“ präsentiert. Der Darstellung Böhmermanns nach, versorgen Manager und Kanalnetzwerke die Produzenten der Videos mit Aufträgen von Unternehmen . Der Youtuber hält ein Produkt in die Kamera und erzählt dann, wo es dieses zu kaufen gibt. Am Beispiel der Videoproduzentin Bibi zeigt Böhmermann, was Youtuber theoretisch mit dieser Werbung verdienen können. Wenn ein Zuschauer über den Link zum Onlineshop komme und zum Beispiel die 250-Euro-Uhr dort bestelle, erhält die Youtuberin eine Provision. Für Schmuck und Uhren zahlt Amazon einem Bewerber 10 Prozent des Verkaufspreises. Wenn nun ausreichend Zuschauer die Uhr über diesen Link bestellen, könne laut Böhmermann schnell eine fünfstellige Summe zusammen.

Sowohl Bibi wie auch die erfolgreichste deutsche Youtuberin Dagi Bee haben in der Vergangenheit auch so genannte „Haul“-Videos veröffentlicht. Kurz gesagt präsentieren die Videoproduzenten in den Videos, was sie so beim letzten Einkauf ergattert haben. Unter dem Stichwort „dm Haul“ findet man bei Youtube etwa 240.000 Videos, „Hauls“ von den Konkurrenten Rossmann oder Müller Drogerie findet man nur rund 40.000 beziehungsweise 60.000 Beiträge.

Doch es gibt auch Youtuberinnen, die ganz andere Produkte und Dienstleistungen erwähnen. Auf dem Kanal „Pelican Bay“ sieht der Zuschauer eine junge Frau, die gerne Einkäufe von Drogerieketten in die Kamera hält, in einem anderen Video präsentiert sie aber auch ihre Brüste. So spricht sie über ihre Erfahrungen mit einer Brust-OP, um gleichzeitig in der Beschreibung des Videos auf eine Düsseldorfer Schönheitsklinik zu verweisen.

Produkte werden auf Youtube hauptsächlich auf drei Arten präsentiert: als vorgeschalteter Werbeclip, durch so genanntes „Branded Entertainment“ (frei übersetzt: markengestützte Unterhaltung) oder durch Produktplatzierung. Während die Werbeclips vor einem Video ablaufen und klar als solche zu erkennen sind, wirken die beiden weiteren Werbeformen wesentlich subtiler. Beim Branded Marketing erstellt eine Firma einen Youtube-Kanal und lädt die Stars ein, in Videos der Firma mitzuwirken. So hat der Deodorant-Hersteller Axe etwa für ein Video die Youtuber Gronkh und Sarazar einen Clip drehen lassen. Bei Produktplatzierungen erhalten die Protagonisten der Videos Geld dafür, dass sie bestimmte Produkte im Video präsentieren oder diese rezensieren.

So viel Geld bekommen Youtuber für ein kurzes Video

Wie viel genau eine Youtuberin dafür bekommt, dass sie beispielsweise einen Lippenstift empfiehlt, ist Verhandlungssache. Insider sprechen jedoch davon, dass das Honorar in der Regel mindestens so hoch ist wie die Vergütung die Youtube ausschüttet. Für ein Video mit 500.000 Klicks kann ein Produzent konservativ geschätzt 1500-2000 Euro von der Videoplattform erwarten. Für eine Produktplatzierung müssten also auch etwa 1500 Euro gezahlt werden. Insider berichten, dass es sogar Preislisten gebe, die genau darlegen, wie viel eine Firma für eine kurze Szene mit einem Youtuber zahlen muss. Je mehr Abonnenten dieser habe, desto mehr müssten die Firmen auch zahlen.

Die Vermittler zwischen Marken und Videoproduzenten sind so genannte Netzwerke. Sie kümmern sich um die Produktion der Videos, um Auftritte und eben auch um Werbeverträge. Eines dieser Netzwerke ist Studio71, eine Tochter von ProSiebenSat1. Matthias Bolig, Pressesprecher der Sendergruppe erklärt gegenüber unserer Redaktion, wie werbliche Videos entstehen: „Marken kommen mit einer ersten Idee oder einem Konzept auf uns zu und in Workshops erarbeiten dann den konkreten Plan für eine Kampagne“. Es sei aber mittlerweile auch üblich, dass die Youtuber selbst mit Ideen für Werbung an die Netzwerke herantreten und diese dann die Marken kontaktieren. Viele Netzwerke beschäftigen deshalb auch Mitarbeiter, die sowohl eigene Videos produzieren wie auch Werbekonzepte für andere Youtuber entwickeln. Doch egal, wie der Kontakt zustande kommt, „wenn man wirbt, sollte man das offen tun“, sagt Matthias Bolig. Studio71 verfahre da genau so wie die Sender Sat.1 und ProSieben. Wenn ein Youtube-Video von einer Marke gesponsert sei, so werde dies genau so eingeblendet, wie bei „Schlag den Raab“ auf ProSieben.

Gesetze sind eindeutig

Doch längst nicht alle Netzwerke und Youtuber kennzeichnen Werbung. Dabei schreibt das Telemediengesetz eindeutig vor, dass Werbung in Internetvideos deutlich gekennzeichnet werden muss. „Ordnungswidrig handelt, wer absichtlich entgegen 36 Abs. 2 Satz 1 den Absender oder den kommerziellen Charakter der Nachricht verschleiert oder verheimlicht“, heißt es wörtlich. Gleiches gilt für Gewinnspiele, Rabatte und Geschenke. Wer gegen das Telemediengesetz in diesem Punkt verstößt, dem drohen Bußgelder von bis zu 50.000 Euro.

Obwohl die Kennzeichnung gesetzlich vorgeschrieben ist, sind nach Angaben der Landesmedienanstalten bisher keine Beschwerden bei der Behörde eingegangen, Bußgelder wurden noch nicht verhängt.

Die Behörde könnte theoretisch auch selbst aktiv werden und Bußgeldverfahren anschieben, tut dies aber nach Angaben ihres Sprechers bewusst nicht. „Wir stehen in engem Kontakt mit Youtubern wie etwa Dagi Bee“, sagt Peter Widlok von der gemeinsamen Geschäftsstelle der 14 Landesmedienanstalten. Bei vielen großen Youtubern, wie auch Sami Slimani, sei mittlerweile die Einsicht eingekehrt, dass verschleierte Werbung auch Sympathien kosten könnte. Den Landesmedienanstalten schwebt vor, dass Werbung in Zukunft stärker gekennzeichnet wird. Geht es nach den Behörden, läuft also bald ein digitales Mainzelmännchen durchs Bild und krächzt den Ausruf „Werbung!“ ins Bild. Bis es soweit ist, klären die Landesmedienanstalten aber erstmal auf. Sie setzen auf Selbstkontrolle. Sowohl einigen Youtubern, vor allem aber die Zielgruppe der großen Stars – Kinder und Jugendliche – könne nicht zwischen Werbung und redaktionellem Inhalt unterscheiden. Bei einigen Behörden, bearbeiten deshalb auch die Experten die Themen Werbung und Jugendschutz in Personalunion.

YouTuber ergreifen selbst Initiative

Einige Youtuber wie Unge und LeFloid wollen nicht warten, bis die Informationskampagne der Behörden greift oder eine Klagewelle losgeht. So hat Unge angekündigt, Videos mit Produktplatzierung oder gesponsorten Rezensionen mit der Einblendung „Dauerwerbesendung“ zu kennzeichnen. In einem ersten Video über das Videospiel „Minecraft Poket Edition“ hat er dies bereits getan. LeFloid distanziere sich bei der ZDF-Sendung Frontal21 von umstrittenen Werbeformen. Er selbst hatte bereits Glaubwürdigkeit bei seinen Fans eingebüßt, nachdem er für eine Chips-Marke geworben hatte. „Jeder, der Idolfunktion hat und geht auf ein solches Geschäft ein, ist in meinen Augen nicht tragbar und auch sehr dumm“, sagte der Youtuber.

Dieser Text ist am 10.11.2015 bei der Berliner Morgenpost erschienen.

Facebook greift mit Suchfunktion Google und Twitter an

Facebook greift mit Suchfunktion Google und Twitter an

Facebook baut die Suche aus – und könnte damit andere Suchmaschinen überflüssig machen. Für den Nutzer gibt es unbekannte Möglichkeiten.

Menlo Park.  Facebook baut seine Suchfunktion aus. Während bisher nur Suchen nach Seiten und Freunden möglich waren, können Nutzer nun ganze Beiträge durchsuchen – auch diejenigen, die nicht öffentlich sind.

Hinter der neuen Facebook-Suche steckt eine aufwendige Technik. Facebook will seinen Nutzern ermöglichen, die insgesamt zwei Billionen Beiträge zu durchsuchen, die weltweit täglich in dem sozialen Netzwerk veröffentlicht werden. Diese Beiträge müssen erst einmal durchsuchbar werden – in der Fachsprache heißt das: indizierbar. Weil dieser Prozess nicht von jetzt auf gleich geschieht, ist die neue Suche zunächst einmal nur für diejenigen Nutzer verfügbar, die US-Englisch als Sprache in ihrem Profil hinterlegt haben. Bei anderen Spracheinstellungen wird die Suche nach und nach ermöglicht. Die Suche soll auf allen Plattformen funktionieren: im Browser auf dem PC, dem iPhone und auf Android-Geräten.

Suche reicht bis in Vorschautexte

Die Nutzer, die die Funktion jetzt schon testen können, dürften von der Fülle an Suchergebnissen und der Tiefe der Suche überrascht sein. Facebook durchsucht ab sofort nicht nur den Text des eigentlichen Beitrages, sondern auch Überschriften von Artikeln und Internetseiten, die ein Nutzer verlinkt hat. Selbst die Kurzzusammenfassung bei Nachrichtenartikeln wird ausgelesen. Im Wesentlichen bieten sich dem Nutzer drei Vorteile:

1. Nachrichten aktuell verfolgen

Mit der neuen Suche können Nutzer Ereignisse live verfolgen. Wer etwa eine Sportveranstaltung, eine Pressekonferenz oder die Produktpräsentation der neuesten Apple- oder Samsung-Geräte verfolgen will, kann dies nun auf Facebook tun. Es reicht, in der Suche das jeweilige Stichwort einzugeben und schon werden die aktuellsten Beiträge zu dem Thema angezeigt. Bislang war der Live-Charakter das Aushängeschild des Kurznachrichtendienstes Twitter mit monatlich 304 Millionen Nutzern. Facebook mit monatlich 1,49 Milliarden angemeldeten Nutzern startet mit der Suchfunktion also einen Angriff auf Twitter.

2. Persönliche Geschichten miterleben

Wer etwa den Versuch startet und nach Urlaub sucht, wird sowohl öffentliche Beiträge von Reiseanbietern finden, wie aber auch die digitalen Postkarten seiner Freunde. Die Suche reicht bis in die privaten Beiträge, die eigenen Freunde verfasst haben. So kann man sich Hochzeiten, Geburtstage und Feiertage in der Familie auf einen Blick in Erinnerung rufen – vorausgesetzt, die Freunde haben die Beiträge dazu mit dem richtigen Stichwort versehen. Die Privatssphäre-Einstellungen bleiben dabei jederzeit bestehen. Beiträge, die der Nutzer nur mit einem engen Kreis geteilt hat, sind auch nur von diesem Kreis zu finden.

3. Finden, was Facebook dem Nutzer vorenthält

Viele Nutzer werden nun wieder Beiträge sehen, die sie wegen mangelnder Zeit oder wegen der Metrik hinter Facebooks Pinnwand verpasst haben. Facebooks Algorithmus und das eigene Verhalten in dem Netzwerk können dafür sorgen, dass einem nicht mehr alle Beiträge der Freunde angezeigt werden. Bis jetzt musste man das Profil des jeweiligen Nutzers ansteuern, um die verpassten Beiträge zu einem bestimmten Thema zu finden. Nun reicht eine Suche.

Facebooks Angriff auf Google

Facebook greift mit der ausgebauten Suchfunktion nicht nur Twitter, sondern auch die größte Suchmaschine der Welt an. Bislang ist Google mit rund drei Milliarden Suchanfragen pro Tag die Nummer Eins bei den Internetsuchen. Facebook kommt auf die Hälfte und verzeichnet nach eigenen Angaben täglich 1,5 Milliarden Suchanfragen. Diese Suchanfragen bestehen bisher weitestgehend aus den Namen von ehemaligen Schulkameraden und Arbeitskollegen oder aus Namen von Marken und Prominenten. Beobachter erwarten, dass Facebooks Suchanfragen stark ansteigen werden, wenn nun eine gezielte Suche nach Inhalten möglich wird. Es ist sogar denkbar, dass Facebook Google über kurz oder lang in dieser Statistik einholen wird. Bei der Suche verfolgen Google (bzw. Alphabet) und Facebook zwei unterschiedliche Ansätze. Während Facebook auf die teils sehr privaten Beiträge seiner Nutzer als Datenquelle zurückgreifen kann, scannt Google fast das gesamte Internet und bietet aus diesem Pool Suchergebnisse an. Die Expertise in beiden Techniken beherrscht bisher keines der Unternehmen.

In einem Video erklärt Facebook-Manager Tom Stocky auf Englisch die neue Suchfunktion:

Dieser Artikel ist am 23.10.2015 bei der Berliner Morgenpost erschienen.